Die Phase der Identifizierung von Potenzialen und Bedarfen eines theologischen Bildungscampus auf dem Gelände der heutigen Kirchlichen Hochschule (KiHo) in Wuppertal geht dem Ende zu. Zuvor gab es seitens der Projektleitung noch einmal das Angebot eines offenen digitalen Workshops für alle denkbaren Interessengruppen. Rund 50 Teilnehmende, von Studierenden bis zu Forschenden, von Politikern bis zu Mitarbeitenden diverser Bildungseinrichtungen und Pfarrpersonen, trafen sich am Freitag, 4. Oktober, um drei Stunden am Bildschirm zu diskutieren und Vorschläge zu sammeln.
Um der Vielfalt der Ideen und Zugänge Struktur zu geben, waren drei Gruppen vorgeschlagen, denen sich die Teilnehmenden selbst zuordnen konnten:
- Theologische Forschung und Lehre
- Theologie und Gemeinde
- Theologie und Gesellschaft
Und jede Gruppe sollte an Online-Whiteboards drei Fragestellungen bearbeiten:
- Welche Herausforderungen sehen Sie auf Kirche und Gesellschaft zukommen?
- Welche Themen sollte ein theologischer Bildungscampus adressieren, und wie?
- Welchen Beitrag zu einem Bildungscampus werden Sie/Ihre Organisation konkret für einen Bildungscampus leisten?
Unterschiedliche Herangehensweisen in den Gruppen
Schon optisch machten die Whiteboards am Ende Unterschiede in der Herangehensweise deutlich: Bei Forschung und Lehre waren die Zettel strukturiert angeordnet und im Umfang reduziert, in den Gruppen Gemeinde und Gesellschaft zahlreicher, wilder und bunter. Aber bei aller Unterschiedlichkeit kristallisierten sich auch gemeinsame Fragestellungen und Ansätze heraus.
Ein Bildungscampus, so eine oft geäußerte Einschätzung, soll theologische Sprachfähigkeit über das bildungsbürgerliche Milieu hinaus erreichen. Aber wenn von ehrenamtlich über nebenamtlich bis zu hauptamtlich Mitarbeitenden alle fündig werden sollen, wenn es um Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote geht, wer stellt dann sicher, dass die Abschlüsse auch breit anerkannt werden und „am Markt Bestand haben“, wurde in Gruppe 1 gefragt. Michaela Geiger, seit Kurzem neue Rektorin der KiHo, ist sich sicher: „Wir werden viel Anerkennung bekommen, aber nicht sofort. Wir brauchen also einen langen Atem. Aber haben wir die Ressourcen dafür?“
Über allem steht die Finanzierungsfrage
Einen „Umschlagplatz für theologische Angebote“, die Vernetzung vorhandener Institutionen, Synergien und theologisch hochwertige Antworten auf die Fragen der Zeit, das wünscht man sich für den Bildungscampus. Und ist sich doch bewusst, dass über allem die Finanzierungsfrage steht. Schon gar nicht wird es einen Bildungscampus zusätzlich neben der KiHo geben. Sie selbst muss sich zum Bildungscampus wandeln.
Um Weihnachten beginnt die Diskussion in den Ausschüssen
Nun startet die Auswertung der gesammelten Anregungen. Bei einem bunten Bild der Wünsche und Vorschläge soll und darf es nicht bleiben. „Die Frage ist: Wie kann der Transformationsprozess auch gelingen?“, sagt Professor Jörg Kopecz, einer der beiden Projektleiter. Nun gelte es, ein Konzept zu entwerfen und darzustellen, wie es auch realisiert und umgesetzt werden könne. Dr. Volker Haarmann, ebenfalls Teil der Projektleitung, ist froh, von der Kirchenleitung und den Vorsitzenden der Ständigen Synodalausschüsse bis Mitte Dezember Zeit eingeräumt bekommen zu haben, um die Vorschläge zu erarbeiten. „Kurz vor und nach Weihnachten werden sie in den Ausschüssen diskutiert und dann hoffentlich auch auf der Synode im Februar entschieden.“ Die Projektleitung wies nochmals darauf hin, dass auf der Website bildungscampus.ekir.de der Fortgang des Projekts verfolgt werden kann. Dort sind unter dem Menüpunkt „Diskussion“ auch weitere Beiträge und Kommentare möglich.
Zumindest eine Zustimmung war den Organisatoren am Ende schon sicher: Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem Workshop gab es überwiegend grüne Häkchen.